Greg Lake

Carlos Kleiber e.V. Kunst- und Kulturförderverein

STECKE DIR HOHE ZIELE UND RUHE NICHT, BIS DU SIE ERREICHT HAST!

GREG LAKE

1947 - 2016

King Crimson - Epitaph

Emerson, Lake & Palmer - Lucky Man

Greg Lake - Watching over you

Greg Lake (1947 – 2016)

Ein Nachruf von Klaus-J. Rathjens

 

Greg Lake ist heute am 8.12.2016 seinem Krebsleiden erlegen, ein dreiviertel Jahr nach dem Freitod seines Band-Kollegen Keith Emerson.

 

Woran denkt man – woran denkt Herr Mustermann bei Nennung seines Namens? Vielleicht an einen Musiker, der Teil der berühmten Band „Emerson, Lake & Palmer“ war. Aber wahrscheinlich nicht daran, welch außerordentlich guter Musiker er war. Er besaß eine schöne Bariton-Stimme, spielte Bass und akustische sowie E-Gitarre und er schrieb Songs, die so waren wie er selbst: Ein besonnener Ruhepol in einer sehr dynamischen, explosiven Band. Er mag in keiner musikalischen Einzeldisziplin eine Spitzenposition eingenommen haben, doch er beherrschte sie alle souverän und war somit die perfekte Ergänzung zu den „Spezialisten“ Keith Emerson und Carl Palmer.

 

Greg Lake bekam als Jugendlicher Unterricht auf der akustischen Gitarre. Im Zuge dessen schrieb er bereits mit 12 Jahren den kleinen Song „Lucky Man“, der 10 Jahre später der erste große Hit von „ELP“ werden sollte. Ein weiterer Schüler seines Gitarrenlehrers war ein gewisser Robert Fripp, der 1968 die Band „King Crimson“ gründete und Lake zur Mitwirkung überredete. Da Fripp selbst Gitarre spielen wollte, musste sich Lake mit dem Bass und seiner neuen Rolle als Sänger anfreunden. Die Band verschrieb sich dem damals neuartigen „Prog-Rock“ und ihre Konzerte verursachten eine immense Mund-zu-Mund-Propaganda, die eine schnell wachsende Anhängerschaft nach sich zog. Einen ersten Höhepunkt stellte schon im Jahr 1969 das Mitwirken beim großen Open Air-Konzert im Londoner Hyde Park dar, das die „Rolling Stones“ im Andenken an ihren verstorbenen Gitarristen Brian Jones veranstalteten. Doch mit dem Erfolg wuchsen die Anforderungen an die zeitliche Verfügbarkeit und das mentale Engagement der Bandmitglieder. Einige von ihnen verstanden sich nicht nur als Musiker, sondern machten auch bildende Kunst und wollten einen Teil ihrer Zeit dafür verwenden. Andere hassten es zu fliegen und zeigten einen immer größeren Unwillen, Konzerte in den USA zu geben. Aber gerade diese waren für jede Band von großer Bedeutung, da dort große Plattenverkaufszahlen und weitreichende und damit gewinnbringende Tourneen möglich waren.

 

„King Crimson“ standen also auf dünnem Eis, als sie 1970 im berühmten „Fillmore West“ in San Francisco auftraten. Sie waren die Vorgruppe für „The Nice“, in der Keith Emerson immer unzufriedener mit den Limitationen seiner Mitspieler wurde. Auf dem Rückflug unterhielten sich beide angeregt miteinander, entdeckten ihre gemeinsame Liebe zur klassischen Musik und beschlossen, eine neue Band zu gründen, die konzeptionell die Nachfolge der „Nice“ antreten sollte. Es war die Geburtsstunde von „Emerson, Lake & Palmer“.

 

Emerson galt zu der Zeit als der „Tastenzauberer“ und besaß genügend musikalisches wie auch öffentlichkeitswirksames Potential, um eine auf ihn fixierte Band zu gründen. Greg Lake war immer so klug, ihm seine Stellung nicht streitig machen zu wollen. Doch zugleich brachte er derartig viel in die Band ein, dass er auf seine Weise genauso unersetzlich wurde wie Emerson. Das fing mit besagtem ersten Hit „Lucky Man“ an und es ging mit weiteren Charterfolgen wie „In The Beginning“, „C´est La Vie“ und „I Believe In Father Christmas“ weiter. Ohne ihn wäre die Band nicht so erfolgreich geworden, denn er machte mit seinen Songs aus ihr ein ausbalanciertes, in sich stimmiges Gesamtgebilde. In der Blütezeit der Band fungierte er zugleich als Manager und Platten-Produzent. Auch seine Zusammenarbeit mit Emerson beim Schreiben neuer Stücke muss in diesem Kontext erwähnt werden.

 

Es soll allerdings schon beim zweiten Studioalbum der Band zu heftigen Streitereien zwischen den beiden gekommen sein. Emerson stellte seine Ideen zu „Tarkus“ vor und diese sollen von Lake als zu radikal beurteilt worden sein. Er wollte die Band verlassen, wenn das Stück den zukünftigen Stil der Band beschreiben sollte. Carl Palmer soll ihn zu dem Kompromiss überredet haben, es zumindest zu versuchen. Das Studio war gemietet und bezahlt und die Plattenfirma wartete auf ein Ergebnis – es wäre dumm gewesen, das alles auf´s Spiel zu setzen. „Tarkus“ wurde innerhalb einer Woche aufgenommen (!) und entwickelte sich zu einem Verkaufserfolg und Meilenstein des Prog-Rock. Die Band blieb zusammen und bot ihren Fans weiterhin diese ungewöhnliche Mischung aus Rock-Avantgarde, Klassik–Bearbeitungen und schlicht-schönen Akustiknummern.

 

Paul McCartney sagte einmal, dass er sicher nicht der beste Sänger und der beste Bassist sei. Dass es aber nicht viele Musiker gebe, die wie er beides gleichzeitig bewältigen könnten. Das trifft auch und vor allem auf Greg Lake zu. Wer „ELP“ jemals live gesehen hat und beobachten konnte, wie souverän er mit Stimme und Bass durch die komplizierten Arrangements navigierte, der musste ihm ein außergewöhnliches Können attestieren. Es war kein extrovertiertes Können, sondern es war sein Wertvoll-Sein, das es der Band erst erlaubte, als Trio – also als kleinstmögliche Besetzung – zu funktionieren. Seine Vielseitigkeit konnte er vor allem bei den Darbietungen seiner Balladen unter Beweis stellen, die er live meistens alleine mit Gesang und akustischer Gitarre präsentierte. Dass er auch E-Gitarre spielen konnte, bewies er u.a. in dem Stück „Karn Evil 9“, bei dem Emerson mit der linken Hand auf dem Moog den Bass ersetzte. Dadurch entstand ein sehr voluminöser Gesamtsound, der auf eine wesentlich größere Besetzung als auf ein Trio schließen ließ.

 

Es sollen des Weiteren die häufigen Streitereien zwischen Greg Lake und Emerson nicht verschwiegen werden. Daneben erscheint seine Passivität als Solokünstler nach der Zeit mit „ELP“ merkwürdig und wenig erklärbar. Doch all das verliert an Bedeutung angesichts seines heutigen Todes.

 

Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass ein Protagonist nach dem anderen aus der großen Band–Aera der 60-er und 70-er Jahre abtritt. Umso wichtiger ist es, diese Epoche am Leben zu erhalten. Denn in Zeiten von „generierten“ Stars und Casting–Shows erinnert sie uns daran, dass es in der Musik vor allem um Leidenschaft, Idealismus und Kunst geht, nicht um Geld und Berühmtheit.

 

„Watching Over You“ ist wohl die schönste Ballade von Greg Lake. Er singt darin für seine kleine Tochter, die er allzu häufig wegen der vielen Tourneen nicht sehen konnte und der er dadurch bedeutete, dass er trotzdem im Geist über sie wachte. Möge es nun auch für ihn und seine Familie ein „Watching Over You“ geben.

 

 

 

Hinweis:

Wenn Sie die auf unserer Homepage veröffentlichten Texte und Artikel unserer Autoren verwenden wollen, senden Sie uns bitte unter Verwendung des Kontaktformulars Ihre Anfrage.

ÜBER CARLOS KLEIBER E.V.

 

Wir fördern Kunst und Kultur aller Richtungen, sei es Musik und Schauspiel, bildende Künste oder Literatur und Vorträge und wollen dies einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

 

Unser Namensgeber Carlos Kleiber gilt als einer der größten Dirigenten aller Zeiten.

KONTAKT ZUM VEREIN

 

Jägerkampstraße 12

83727 Schliersee

 

Telefon: 08026 - 925 14 17

Mobil: 0178 - 905 72 25

E-Mail: info@carloskleiber-ev.de

Home: www.carloskleiber-ev.de

Nutzen Sie das Kontaktformular

SPENDENKONTO

 

Carlos Kleiber e.V.

 

Kreissparkasse Miesbach - Tegernsee

 

IBAN DE40 7115 2570 0012 2750 04

BIC BYLADEM1MIB

 

Kennwort "Spende"