Die ostdeutsche Kulturlandschaft

Carlos Kleiber e.V. Kunst- und Kulturförderverein

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Die ostdeutsche Kulturlandschaft und ihr permanenter Abbau

 

 

Die vor einiger Zeit hochkochenden Diskussionen über die Thüringer Theater und Orchester ließ nicht nur Künstler und Theater um ihre Existenz oder Eigenständigkeit bangen, sie wirft auch heute noch die generelle Frage auf: Wie konnte es dazu kommen und wie kann es weitergehen?

 

Die DDR hinterließ eine hoch subventionierte Kulturlandschaft, deren Theaterdichte im Vergleich zu Westdeutschland enorm war. Kultur gehörte neben Sport zu den Gebieten, die sich die DDR viel Geld kosten ließ. Es war daher nach der Vereinigung beider Staaten unumgänglich, dieses System auf ökonomisch vertretbare Beine zu stellen. Das hieß vor allem: Schließungen und Zusammenlegungen von Theatern. Es war ein schmerzhafter Prozess mit vielen Opfern und den für derartige Vorhaben typischen Fehlentscheidungen. Dass er aber stattfand, belegt alleine die Zahl der gestrichenen Orchestermusiker-Stellen in Thüringen, die von einstmals 1066 auf 597 abgebaut wurden. Derartige Kürzungen fallen vor allem in den ostdeutschen, mit einem großen kulturellen Erbe versehenen Ländern wie Thüringen sehr in´s Gewicht. Häuser wie die in Meiningen oder Weimar strahlen seit Jahrhunderten weit über das Land hinaus und sind von wahrlich nationaler Bedeutung. Dabei darf man sich nicht von der geringen Größe der Städte blenden lassen. Ein kleiner Ort wie Meiningen beheimatete einst eines der besten europäischen Orchester und über die Bedeutung von Weimar muss angesichts der dort wirkenden Herren Goethe, Schiller, Liszt und Herder nicht diskutiert werden.

 

Nun dachte man in Thüringen also erneut über Zusammenlegungen und Schließungen nach und wollte durch Konzentration Größe schaffen und Kosten sparen. Doch zugleich unterschätzte man die Bedeutung der sogenannten „Provinz“. Diese muss nicht provinziell sein, denn sie bietet allen Künstlern die notwendigen Lehrjahre und Experimentierfelder, die sie erst dazu befähigen, in den großen Häusern der kulturellen Zentren bestehen zu können. Und das gilt nicht nur für deutsche Künstler. Zum Beispiel ist es für amerikanische Opernsänger sehr karrierefördernd, wenn sie eine sogenannte „Ochsentour“ durch die deutschen Provinzhäuser vorweisen können.

 

Es lässt sich aus den damaligen Plänen der thüringischen Landesregierung auch heute noch Folgendes ableiten:

  • Zum ersten scheint der nunmehr 25-jährige Transformationsprozess der ostdeutschen Kulturlandschaft immer noch nicht abgeschlossen zu sein;
  • zum zweiten wird die Bedeutung der Kultur seitens der Politik nicht in Gänze erkannt, vor allem in ihrem direkten Bezug zur Bildung;
  • und zum dritten ist es offensichtlich, dass angesichts der permanenten Schwierigkeiten, die nahezu alle Länder und Städte bei der Finanzierung ihrer Theater und Orchester haben, an eine entsprechend geänderte Finanzaufteilung gedacht werden sollte.

Ein Bund, der in seinem Haushalt eine „schwarze Null“, bzw. sogar Überschüsse erreicht, und Länder, die mit ihren Kulturausgaben deutlich überfordert sind, obwohl diese nur etwa 1,5% ihres Gesamtetats umfassen – in Thüringen sogar nur 1,4% – passen nicht zusammen. Dieses Missverhältnis deutet nicht nur auf eine schlechte Finanzaufteilung hin, es versinnbildlicht ebenso die an Starrsinn erinnernden Standpunkte der Bundesländer, die penibel über ihre Eigenständigkeit in Sachen Kultur und Bildung wachen. Da in diesem Punkt keine Besserung zu erwarten ist, bleibt zu hoffen, dass die Verhandlungen über den neuen Länderfinanzausgleich idealerweise für eine entsprechende, sachbezogene Neujustierung genutzt werden, wobei der Bund eine deutlich größere Verantwortung für die nationale Kultur übernehmen sollte. Die Politiker auf Länder- und Bundesebene müssen endlich erkennen, dass die jahrzehntelang praktizierte finanzielle Daumenschraube ihren Anschlag erreicht hat.

 

Übrigens – während die Grünen als Teil der thüringischen Landesregierung viele Künstler um ihre Existenz bangen ließen, beriefen ihre Parteikollegen auf der Bundesebene den Kulturausschuss des Bundestages ein. Thema: Ist eine Frauenquote im Kulturbereich notwendig? – Man muss eben die richtigen Schwerpunkte zu setzen wissen!

 

Autor: Klaus-J. Rathjens

(Dieser Text entspricht dem Manuskript einer Sendung, die von Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt wurde)

 

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